Kirchenmusik - das ist Singen der Gemeinde, Orgelspiel, Klang der Posaunenchöre, Chorgesang, Konzert ... und die ganze Vielfalt traditioneller und neuer Kompositionen, die auf ihre Weise Gottes Wort verkündigen, die erfreuen, trösten und zum Glauben einladen.
Viele Menschen in unseren Kirchengemeinden haben besonderen Anteil daran, dass Kirchenmusik erklingt und gepflegt wird: Sängerinnen und Sänger in den Erwachsenen-, Jugend- und Kinderchören, Bläserinnen und Bläser in den Posaunenchören, Mitglieder von Instrumentalgruppen und Bands, neben- oder ehrenamtlich tätige Chorleiterinnen, Chorleiter, Organistinnen und Organisten sowie die hauptberuflichen Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker.
Auf landeskirchlicher Ebene unterstützen und fördern die Kirchenmusik
In den Propsteien und Kirchenkreisen sind Propsteikantorinnen und Kreiskantorinnen und -kantoren eingesetzt, die in diesen Regionen besondere Verantwortung für die Kirchenmusik tragen.
Im Themenjahr "Reformation und Musik" wird das "Wort zur Woche" in der mitteldeutschen Kirchenzeitung GLAUBE+HEIMAT von Kirchen-musikerinnen und Kirchenmusikern verfasst. Die Texte können Sie hier nachlesen:
22. Januar
Was lässt den Funken überspringen?
Lobt Gott, den Herrn, ihr Heiden all, lobt Gott von Herzensgrunde.
(Evangelisches Gesangbuch 293,1)
Auch die Heiden? Das Lied für diese Woche gehört mit seinen zwei Strophen nicht gerade zu den Zeitblockern im Gottesdienst. Das ist kein Wunder: Der Psalm 117 ist der kürzeste des Psalters, von Joachim Sartorius 1591 meisterhaft nachgedichtet. Ich habe das Lied schon als junger Mensch gern gesungen. Das macht die schwungvolle Melodie von Melchior Vulpius, dem wir auch den Satz »Hinunter ist der Sonnen Schein« zu verdanken haben.
Bei den oben erwähnten Heiden muss ich an die Christenlehrezeit zurückdenken, an jenen demütigen Afrikaner auf der Spendendose, den ein Vers darauf als »armen Heidensohn« bezeichnete und der nickte, wenn ein Geldstück eingeworfen wurde. Der Psalmbeter meinte wohl mit Heiden alle Nichtjuden, unser Textautor alle Ungetauften – also die »noch nicht dazugehören«. Das sind in meiner Stadt über 90 Prozent der Menschen. Aber warum sollen die Gott aus Herzensgrunde loben?
Davon singt die zweite Strophe: Barmherzigkeit, Wahrheit, Gnade und Gütigkeit sind Dinge, die Gott allen, nicht nur uns Insidern, bis in alle Ewigkeit überreichlich erweist – damals wie heute. Begreifen wir das? Da fällt mir jenes Video auf Youtube ein, wo eine Frau in einem amerikanischen Konsumtempel laut Händels »Halleluja« ins Handy singt und viele mit einstimmen. Warum tun die das? Weil Händels Musik so cool ist? Was lässt hier den Funken überspringen? Ich kann mir so eine Situation bei uns kaum vorstellen. Trotzdem wäre es genau das, wovon wir im Wochenlied singen.
Andererseits: Haben wir als Insider das Gotteslob gepachtet oder was tut der Männerchor (deren Sänger ich vor 25 Jahren als erklärte Atheisten kennenlernte), wenn er in der Adventszeit »Kommet ihr Hirten« singt? Es ist wohl so, dass die Mission weniger im Gottesdienst oder in den innerkirchlichen, oft mit Aufwand und Liebe vorbereiteten Veranstaltungen passiert, sondern da, wo wir es kaum erwarten. Sollen wir dann auch noch »Halleluja« singen? Gerade dann!
Christoph Noetzel
Kreiskantor im Kirchenkreis Merseburg
aus GLAUBE+HEIMAT Nr. 4/2012, 22. Januar 2012
15. Januar
Den Glauben hinausposaunen in die Welt
Gottes Sohn ist kommen uns allen zu Frommen hier auf diese Erden.
(Evangelisches Gesangbuch 5,1)
Gottes Sohn ist kommen; ja, er kam, wie alle Menschen: Nackt, unschuldig, wehrlos lag er da in der Krippe, uns allen zu Frommen. Nein, er kam nicht nur für die Frommen; nicht nur für die Juden; er kam für alle Menschen. Sowohl Hirten als auch Weise aus dem Morgenland kamen zu dem neugeborenen Kind. Die, die sich aufmachten, um dem predigenden Jesus nachzufolgen, waren Fischer, Zöllner, einfaches Fußvolk, keine studierten Theologen.
Wer das Kind in der Krippe recht erfassen will, muss zuvor arm werden. In unserem Leben gibt es viel zu viel unnützes, profanes, Zeug, das wir für das eigentliche Leben gar nicht brauchen und was uns abhält, unsere Beziehung zu Gott noch inniger werden zu lassen.
Gott hat uns durch Jesus von der Sünde entbunden. »Heut schließt er wieder auf das Tor zum schönen Paradeis«, singen wir zu Weihnachten. Wir sind erlöst, frei. Leben wir es? Können wir, kann das unser Verstand fassen? Welche (Berge versetzende) Kraft müsste durch solchen Glauben entstehen. Wir müssten viel mehr jubelnd durch diese Welt laufen, um andere Menschen anzustecken von dem neuen Leben, das Jesus uns schenkt.
Ich habe den Eindruck, dass Gottes Geist in der Kirche in Europa gar nicht recht zur Entfaltung kommen kann, weil wir es verhindern. Wir nehmen uns zu wenig Zeit für (gemeinsame) Gebete, das Bibellesen, den Gottesdienst. Von 168 Stunden in der Woche bleibt nur eine Stunde für den Gottesdienst. Aber die Klöße müssen um 12 Uhr auf dem Tisch stehen! Wann erzählen Christen untereinander von den Erlebnissen mit Gott?
Wie das Lied der vorigen Woche, so ist auch dieses Lied der Böhmischen Brüder ein Glaubensbekenntnis. Sie sangen ihre Lieder einstimmig a-capella im Stehen. Wir müssen wieder lernen, beim Singen in unseren Gottesdiensten aufzustehen, damit die Stimme ordentlich klingen kann und wir unseren Glauben hinausposaunen in diese Welt!
Hartmut Meinhardt
Stadtkantor in Bad Salzungen
aus GLAUBE+HEIMAT Nr. 3/2012, 15. Januar 2012
8. Januar
Wie ein Gruß aus ferner Zeit
O süßer Herre Jesu Christ, der du unser Erlöser bist, nimm heut an unsre Danksagung – aus Genaden!
(Evangelisches Gesangbuch Nr. 68)
Ein wirklich uraltes Lied … und dann noch »süßer« Jesus – wo wir doch gerade erst die zuckerigen Lieder »Stille Nacht« oder »Süßer die Glocken nie klingen« hinter uns gelassen haben! Und doch: Ich liebe dieses Lied mit seiner schwebenden Melodie, seiner unbeholfenen Silbenzählung und dem ausdrucksstarken Text: »süßer«, nicht »lieber« muss es heißen!
In acht kurzen Strophen dichtete der Böhmische Bruder Michael Weiße (1488–1534) ein nachweihnachtliches Lied, welches den Dank für die Menschwerdung Christi mit dem Ausblick auf seinen Leidensweg und die Existenz der Kirche auf Erden und im Himmel verbindet – und das alles echt reformatorisch: »aus Genaden«.
Die Melodie ist ein altkirchlicher Hymnus. Würde man sich dazu bewegen, käme ein Schreiten und Hüpfen heraus, eine Wendung und Verbeugung vor dem Licht, das in die Welt gekommen ist. Als Organistin mag ich die Bearbeitung dieses Liedes von Volker Bräutigam in seinen »Präludien über Weihnachtslieder«, die dieses schwebende Metrum aufnimmt, Motive des Chorals spielerisch verändert und schließlich die Bodenhaftung herstellt.
Eines von 157 Liedern des »Böhmischen Gesangbuches«, des umfangreichsten reformatorischen Liederbuches, grüßt uns da aus fernen Zeiten, die uns durch die Besinnung auf das anstehende Reformationsjubiläum wieder nähergebracht werden. Weiße hat Kontakt zu Martin Luther gepflegt. Nachweislich kannte Luther seine Lieder und übernahm einige in sein Wittenbergisches Gesangbuch.
Ich möchte mir vorstellen, dass er unser Lied zur Lautenbegleitung im Kreise seiner Familie und Schüler in der weihnachtlichen Stube sang – mit dankbarem Herzen für die Geburt Jesu, des süßen (nicht süßlichen) Christkindes. Lassen wir uns vom Danken für unsere Erlösung anstecken und das neue Jahr mit Freude und in Freiheit beginnen!
Martina Apitz
Kirchenmusikdirektorin in Köthen
aus GLAUBE+HEIMAT Nr. 2/2012, 8. Januar 2012
1. Januar
Damit wir sicher schreiten
Der du die Zeit in Händen hast, Herr, nimm auch dieses Jahres Last und wandle sie in Segen.
(Evangelisches Gesangbuch 64,1)
Eigentlich kann man hier nicht Schluss machen mit dem Text von Jochen Klepper, der uns zum Jahreswechsel entgegenkommt, denn Gedichte sind keine Steinbrüche, sie müssen bis zum Ende gelesen, Lieder erst recht zu Ende gesungen werden. Welche Melodie klingt in Ihnen beim Lesen dieses Textes? Die aus dem alten EKG aus reformatorischer Zeit, die noch immer viel gesungen wird, oder die 1960 von Siegfried Reda eigens zum Text komponierte aus dem aktuellen Gesangbuch?
Beide passen hervorragend zu Kleppers Gedicht, nachdenklich, ein bisschen schwermütig, beides keine »Eintagsfliegen-Melodien«. Und doch empfinde ich: Die neue Melodie ist näher dran an dem, was der Dichter zu sagen hat!
Obwohl Klepper eigentlich schon verboten war, konnte sein 1937 entstandenes Gedicht am Neujahrstag 1938 in der »Deutschen Allgemeinen Zeitung« abgedruckt werden. Unendlich weit entfernt scheinen wir und unsere »Lasten« von denen der ausgehenden 1930er Jahre. Oder kann man Lasten nicht gegeneinander aufwiegen? Was drückt uns?
Die persönlichen Sorgen um die Liebe(n) im Familien- oder Bekanntenkreis, das Unerledigte des vergangenen Jahres, Bruchstückgebliebenes, alles, was so anders werden sollte, aber da standen die Zwänge dagegen – von den Lasten unserer Welt, Gewalt, Katastrophen, Klimawandel, Wohlstandssucht, Gier gar nicht erst anzufangen …
Die Zeile »und wandle sie in Segen« ist bei Reda ein Melodoiezitat: »Ich bitt, erhör mein Klagen« singen wir genauso in EG 343. Sicher kein Zufall. Unsere Lasten dürfen Gott geklagt, bei ihm abgeladen werden.
»Du« ist das am häufigsten verwendete Wort im Klepper-Text, du, der Ewige, du, der Schöpfer unseres Lebens, du, der Gnade verleiht, du, der Vollender.
Unsere Zwiesprache mit Gott, unser Gebet, unsere Bitte für 2012 »und führe uns an deiner Hand, damit wir sicher schreiten«.
Dietrich Ehrenwerth
Landeskirchenmusikdirektor, Erfurt
aus GLAUBE+HEIMAT Nr. 1/2012, 1. Januar 2012
Wort zur Woche
Was lässt den Funken überspringen?
[hier]
Symposium
BACH als LUTHERaner
www.bach-als-lutheraner.de
366+1. Kirche klingt
Musikprojekt der EKD
[hier]
Propstei-Chortage 2012
Voranmeldung schon jetzt erbeten
[hier]
Freie Stellen
[hier]
Singwochen u. -wochenenden
[hier]
Kanons zur Jahreslosung 2012
in der Zeitschrift ZWISCHENTÖNE 4/2011
Das Forum
Informationen und Fragen [hier]